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Das Ende des Wachstums

Übersetzung für Post Carbon Institute von Günter Dannhauer
 
Dieser Artikel ist ein Auszug aus Richard Heinbergs neuem Buch „Das Ende des Wachstums“ dessen Erscheinen für September 2011 geplant ist. Dieser Artikel wurde im Original als MuseLetter Nr. 222 veröffentlicht.
 
Einführung: Die neue Normalität
Die zentrale Aussage dieses Buches ist sowohl einfach als auch alarmierend: Wirtschaftswachstum, wie wir es aus der Vergangenheit kennen, ist aus und vorbei.
 
Das „Wachstum“, von dem wir reden, besteht aus der Ausdehnung des Gesamtumfangs der Wirtschaft (mit mehr Verbrauchern und einem höheren Geldumlauf) sowie der Energiemengen und des Güterflusses.
 
Die Wirtschaftskrise, die 2007 - 2008 begann, war sowohl vorhersehbar als auch unausweichlich, und sie kennzeichnet einen permanenten und fundamentalen Bruch gegenüber den zurückliegenden Jahrzehnten – einer Periode, in der die meisten Wirtschaftswissenschaftler der unrealistischen Meinung waren, dass ewiges Wirtschaftswachstum notwendig und auch möglich sei. Nun sind grundsätzliche Grenzen für die stetige wirtschaftliche Ausdehnung erreicht und die Welt kollidiert mit diesen Grenzen.
 
Dies bedeutet nicht, dass die USA oder die gesamte Welt nie wieder ein Quartal oder ein Jahr mit einem relativen Wachstum gegenüber dem Vorquartal oder Vorjahr erleben wird. Wenn wir jedoch den Mittelwert der Auf- und Abbewegungen betrachten, wird die allgemeine Trendlinie der Wirtschaft (gemessen in Produktion und Verbrauch von Realgütern) von nun an waagrecht oder abwärts verlaufen statt wie bisher aufwärts.
 
Auch wird es nicht unmöglich sein, dass eine Region, ein Land oder ein Unternehmen für eine Weile weiter wächst. Einige werden dies weiterhin tun. Spätere Analysen werden jedoch ergeben, dass dieses Wachstum auf Kosten anderer Regionen, Länder oder Unternehmen erzielt wurde. Von jetzt an ist nur noch relatives Wachstum möglich: Die globale Wirtschaft ist ein Nullsummenspiel mit einem ständig schrumpfenden Gesamtkapital, das unter den Gewinnern aufgeteilt wird.
 
Warum endet das Wachstum?
Viele Finanzexperten weisen darauf hin, dass grundlegende wirtschaftsinterne Probleme – wie überwältigende, nicht mehr begleichbare öffentliche und private Schulden und das Platzen der Immobilienblase – unmittelbare Bedrohungen für das Wiederaufleben des Wirtschaftswachstums seien. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass das Wachstum letztendlich nach dem Lösen dieser Probleme wieder in Gang kommen kann und wird. Allgemein vernachlässigen die Experten jedoch die Faktoren, die außerhalb der Finanzwirtschaft begründet sind und die ein Wiederaufleben des herkömmlichen Wirtschaftswachstums fast unmöglich machen. Es handelt sich dabei nicht um eine vorübergehende Situation, sondern um einen Dauerzustand.
 
Wie wir in den folgenden Kapiteln sehen werden, gibt es insgesamt drei Hauptfaktoren, die einem zukünftigen Wirtschaftswachstum fest im Weg stehen:
  • Die Erschöpfung wichtiger Ressourcen einschließlich fossiler Energieträger und Mineralien
  • Die zunehmenden Umweltbeeinträchtigungen aufgrund des Abbaus und der Verwendung von Ressourcen (wozu das Verbrennen fossiler Treibstoffe gehört), was zu lawinenartigen Kostensteigerungen sowohl durch die Beeinträchtigungen selbst als auch durch die Bemühungen zu deren Vermeidung und zum Beseitigen der Folgen führt
  • Störungen im Finanzsystem aufgrund der Unfähigkeit unserer bestehenden Geld-, Bank- und Investitionssysteme, sich an die Ressourcenverknappung und an die steigenden Umweltkosten anzupassen – und ihrer Unfähigkeit (im Zusammenhang mit einer schrumpfenden Wirtschaft), die enormen öffentlichen und privaten Schuldenberge zu bedienen, die während der letzten Jahrzehnte aufgetürmt wurden.
Obwohl Finanzkommentatoren sich tendenziell nur auf den letzten dieser Faktoren konzentrieren, lassen sich praktisch Tausende von Ereignissen in den vergangenen Jahren herausgreifen, die zeigen, wie alle drei Faktoren miteinander verzahnt sind und wie sie mit immer stärkerer Wucht zuschlagen.
 
Betrachten wir nur eines dieser Ereignisse: Die Ölkatastrophe auf der Deepwater Horizon 2010 im Golf von Mexiko.
 
Die Tatsache, dass BP in der Tiefsee im Golf von Mexiko nach Öl bohrte, bestätigt einen globalen Trend: Während keine Gefahr besteht, dass der Welt in der näheren Zukunft das Öl ausgeht, wird nur sehr wenig neues Öl an Land gefunden, wo das Bohren preiswert ist. Die Landgebiete wurden bereits erforscht, und die dortigen reichhaltigen Vorkommen von Kohlenwasserstoffen erschöpfen sich. Nach Angaben der International Energy Agency werden 2020 fast 40 % der weltweiten Ölförderung aus Tiefseeregionen kommen. Obwohl es schwierig, gefährlich und teuer ist, zwei bis drei Kilometer unter dem Meeresspiegel zu bohren, muss die Ölindustrie dies tun, um weiterhin Öl liefern zu können. Dies bedeutet teureres Öl.
 
Offensichtlich waren die Umweltkosten der Explosion der Deepwater Horizon und des Öllecks ruinös. Weder die USA noch die Ölindustrie können sich einen weiteren Zwischenfall dieser Größenordnung leisten. Die Regierung Obama hat daher 2010 ein Moratorium für Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko erlassen, während neue Regeln für Bohrungen erarbeitet werden. Andere Länder begannen, ihre eigenen Richtlinien für Ölbohrungen in der Tiefsee zu überprüfen. Zweifellos werden dadurch zukünftige Unfälle weniger wahrscheinlich, jedoch wirkt sich dies auf die Förderkosten und den bereits sehr hohen Ölpreis aus.
 
Der Zwischenfall mit der Deepwater Horizon macht auch zu einem gewissen Grad deutlich, welche Folgeeffekte die Ressourcenerschöpfung und die Umweltschäden für Finanzinstitutionen haben. Versicherungskonzerne waren gezwungen, die Prämien für Tiefseebohrungen zu erhöhen, und die Auswirkungen auf die regionale Fischerei haben die Wirtschaft der Golfküste hart getroffen. Während die wirtschaftlichen Schäden in der Golfregion zum Teil durch Zahlungen von BP ausgeglichen wurden, haben diese Zahlungen das Unternehmen gezwungen, sich zu restrukturieren und der Aktienkurs sowie die Gewinne der Investoren gingen zurück. Diese finanziellen Probleme von BP haben sich wiederum auf britische Pensionsfonds ausgewirkt, die in BP investiert hatten.
 
Dies ist nur ein einzelnes Ereignis, wenn auch ein spektakuläres. Wenn es ein isoliertes Problem wäre, könnte sich die Wirtschaft erholen und weiter voranschreiten. Aber wir sehen eine Folge von Umwelt- und Wirtschaftskatastrophen, die zwar nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben, die aber das Wirtschaftswachstum auf mehr und mehr Arten behindern. Dazu gehören unter anderem:
  • Klimaänderungen, die zu regionalen Dürren, Überflutungen und sogar Hungersnöten führen
  • Wasser- und Energieknappheit
  • Wellen von Bankzusammenbrüchen, Unternehmenspleiten und Immobilienzwangsversteigerungen
Jede Ereigniskategorie wird als Einzelfall betrachtet, als ein lösbares Problem, so dass eine Rückkehr zum Normalzustand denkbar ist. Letztendlich wird sich jedoch herausstellen, dass alle Kategorien zusammenhängen, da sie die Folgen einer wachsenden Bevölkerung mit dem Streben nach höherem Pro-Kopf-Konsum bei begrenzten Ressourcen sind (einschließlich nicht erneuerbarer fossiler Energieträger), und dies alles auf einem begrenzten und fragilen Planeten.
 
Zusätzlich hat die Rückabwicklung eines jahrzehntelangen Schuldenaufbaus die Bedingungen für einen finanziellen Jahrhundertkollaps geschaffen, der sich nun um uns herum entfaltet und der allein schon das Potenzial hat, beträchtliche politische Instabilität und menschliches Elend zu verursachen.
 
Als Ergebnis sehen wir einen perfekten Sturm zusammenlaufender Krisen, die gemeinsam einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit darstellen. Wir sind Zeugen und Teilnehmer des Übergangs von wirtschaftlichem Wachstum zu wirtschaftlichem Schrumpfen.
 
Warum ist Wachstum so wichtig?
Während der letzten Jahrhunderte wurde Wachstum praktisch zum einzigen Indikator wirtschaftlichen Wohlergehens. Wenn eine Wirtschaft wuchs, gab es neue Arbeitsplätze und Investitionen brachten hohe Gewinne. Wenn das Wirtschaftswachstum vorübergehend zum Stillstand kam, wie etwa während der Weltwirtschaftskrise, gab es finanzielles Blutvergießen.
 
Während dieser Jahrhunderte nahm die Weltbevölkerung zu, von unter 2 Milliarden um 1900 auf jetzt rund 7 Millarden, und jedes Jahr kommen um die 70 Millionen neue „Konsumenten“ hinzu. Dies macht weiteres Wachstum noch wichtiger. Denn wenn die Wirtschaft stagniert, nehmen die pro Kopf verfügbaren Güter und Dienstleistungen ab.
 
Für die „Entwicklung“ der ärmsten Länder der Welt haben wir uns auf Wirtschaftswachstum verlassen. Ohne dieses Wachstum müssen wir uns ernsthaft mit der Möglichkeit beschäftigen, dass Hunderte von Millionen oder vielleicht auch Milliarden von Menschen niemals auch nur annähernd einen Lebensstil erreichen werden wie die Menschen in den Industrieländern.
 
Nicht zuletzt haben wir Geld- und Finanzsysteme geschaffen, die Wachstum benötigen. Solange die Wirtschaft wächst, ist mehr Geld und mehr Kredit verfügbar, die Erwartungen sind hoch, die Leute kaufen mehr Produkte, Unternehmen nehmen mehr Darlehen auf und die Zinsen für die bestehenden Kredite können problemlos bezahlt werden. Wenn jedoch kein neues Geld in das System einfließt, können die Zinsen für bestehende Kredite nicht gezahlt werden. Die Ausfälle setzen sich schneeballmäßig fort, Arbeitsplätze gehen verloren, Einkommen gehen zurück und die Konsumenten schränken ihre Ausgaben ein. Dies führt dazu, dass Unternehmen weniger Darlehen aufnehmen, wodurch noch weniger neues Geld in das System einfließt. Es handelt sich dabei um eine selbstverstärkende zerstörerische Rückkopplung, die nur schwer anzuhalten ist, wenn sie einmal in Gang gekommen ist.
 
Anders gesagt: Die Wirtschaft verfügt nicht über einen "Leerlauf". Entweder gibt es Wachstum oder Schrumpfung. Und "Schrumpfung" ist eine beschönigende Umschreibung für Depression - eine lange Zeit von Arbeitsplatzverlusten, Zwangsversteigerungen, Pleiten und Bankrotten.
 
Wir haben uns so sehr an Wachstum gewöhnt, dass wir uns kaum daran erinnern können, dass es sich eigentlich um ein relativ neues Phänomen handelt.
 
Während der letzten Jahrtausende, als Weltreiche aufstiegen und fielen, sind lokale Volkswirtschaften gewachsen und geschrumpft. Die weltweite Wirtschaftsaktivität ist jedoch nur langsam gewachsen, mit gelegentlichen Schwächeperioden. In den letzten beiden Jahrhunderten gab es jedoch eine Revolution durch fossile Energieträger, was ein Wachstum ermöglichte, dessen Geschwindigkeit und Umfang ohne Beispiel in der Geschichte der Menschheit sind. Wir haben die Energie von Kohle, Öl und Erdgas genutzt, um Autos, Lastwagen, Autobahnen, Flughäfen, Flugzeuge und das Stromnetz zu bauen und zu betreiben. All dies bildet die Grundlage der modernen Industriegesellschaft. Durch das nur ein einziges Mal mögliche Verfahren, das in Hunderten von Millionen Jahren chemisch gespeicherte Sonnenlicht zu fördern und zu verbrennen, haben wir etwas geschaffen, was (für einen kurzen, leuchtenden Moment) wie eine unendliche Wachstumsmaschine erschien. Wir haben uns daran gewöhnt, eine außerordentliche Situation als normal anzusehen.
 
Da nun die Ära preiswerter und reichlich vorhandener fossiler Energieträger zu Ende geht, werden unsere Annahmen des ständig andauernden Wachstums bis in den Kern erschüttert.
 
Das Ende des Wachstums ist tatsächlich ein einschneidendes Ereignis. Es bedeutet das Ende einer Ära, das Ende unserer heutigen Methoden zur Organisation von Wirtschaft, Politik und Alltagsleben. Ohne Wachstum sind wir gezwungen, das menschliche Leben auf der Erde praktisch neu zu erfinden.
 
Es ist von höchster Wichtigkeit, dass wir die Bedeutung dieses historischen Zeitpunktes erkennen und verstehen: Wenn wir wirklich das Ende der Ära des fossil angetriebenen Wirtschaftswachstums erreicht haben, sind die Bemühungen der Politiker, weiterhin nach schwer erreichbarem Wachstum zu streben, eine Flucht vor der Wirklichkeit. Wenn sich unsere politischen Führer Illusionen über unsere tatsächliche Situation machen, werden sie es wahrscheinlich verzögern, Maßnahmen zu ergreifen, die das Überleben in einer Wirtschaft ohne Wachstum unterstützen, und sie werden fast sicher versäumen, die erforderlichen fundamentalen Änderungen unserer Geld-, Finanz-, Nahrungs- und Transportsysteme in Angriff zu nehmen.
 
Das Ergebnis könnte – statt einer schmerzlichen, aber überstehbaren Anpassung - die größte Tragödie der Geschichte sein. Wir können das Ende des Wachstums überleben, aber nur, wenn wir erkennen, was es bedeutet, und uns entsprechend verhalten.
 
Aber ist Wachstum nicht normal?
Volkswirtschaften sind Systeme, und als solche folgen sie in einem gewisssen Rahmen Regeln, die denen bei biologischen Systemen ähnlich sind. Pflanzen und Tiere wachsen normalerweise schnell, wenn sie jung sind, erreichen dann aber einen mehr oder weniger stabilen Zustand der Reife. In Organismen werden die Wachstumsraten hauptsächlich durch Gene gesteuert, aber auch durch die Verfügbarkeit von Nahrung.
 
Bei der Wirtschaft hängt Wachstum offensichtlich von der Wirtschaftsplanung und von der Verfügbarkeit von Ressourcen ab – hauptsächlich Energieressourcen („Nahrung“ für die Industrie) und Kredit („Sauerstoff“ für die Wirtschaft).
Im 19. und 20. Jahrhundert ermöglichte die Verfügbarkeit von preiswerten und reichlich vorhandenen fossilen Energieträgern eine schnelle wirtschaftliche Expansion. Die Wirtschaftsplaner begannen, diese Situation als normal anzusehen. Die Finanzsysteme verinnerlichten die Erwartung von Wachstum als Versprechen von Gewinnen auf Investitionen.
 
Aber ebenso wie bei Organismen kommt auch bei der Wirtschaft das Wachstum zum Stillstand. Auch wenn die Planer (die in unserer Gesellschaft der regelnden DNA entsprechen) mehr Wachstum diktieren, kann ein Punkt erreicht werden, an dem „Nahrung“ und „Sauerstoff“ nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen. Außerdem könnten die Industrieabfälle sich soweit kumulieren, dass biologische Systeme, die die Basis der wirtschaftlichen Aktiviäten sind (Wälder, Nutzpflanzen und Menschen), erstickt und vergiftet werden.
 
Viele Wirtschaftswissenschaftler sehen die Dinge jedoch anders. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass die heutigen Wirtschaftstheorien während des anormalen geschichtlichen Zeitraums ständigen Wachstums formuliert wurden, der nun zu Ende geht. Wirtschaftswissenschaftler ziehen einfach allgemeine Rückschlüsse aus ihren Erfahrungen: Sie können auf Jahrzehnte ständigen Wachstums in der jüngeren Vergangenheit verweisen, und sie projizieren diese Erfahrungen einfach in die Zukunft. Und sie verfügen über Methoden zum Erklären, warum die moderne Marktwirtschaft immun gegenüber den Beschränkungen ist, die für natürliche Systeme gelten. Die beiden wichtigsten dieser Methoden haben mit Substitution und Effizienz zu tun.
 
Wenn eine Ressource knapp wird, steigt ihr Preis, und dies bildet für die Nutzer einen Anreiz, einen Ersatz zu suchen. Wenn Öl beispielsweise teuer genug wird, werden Energieunternehmen vielleicht anfangen, Flüssigtreibstoffe aus Kohle herzustellen. Oder sie entwickeln andere Energiequellen, von denen wir heute noch nicht zu träumen wagen. Viele Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Substitutionsprozess unendlich weiter geht. Es gehört zur Magie des freien Marktes.
 
Gesteigerte Effizienz bedeutet, mehr mit weniger zu machen. In den USA hat die inflationsbereinigte Summe von Dollar, die in der Wirtschaft durch eine einzelne verbrauchte Energieeinheit generiert wurden, während der letzten Jahrzehnte ständig zugenommen (anders ausgedrückt, die Energiemenge in British Thermal Units, die für einen Dollar Bruttosozialprodukt erforderlich ist, fiel von 20.000 BTU im Jahr 1949 auf 8.500 BTU im Jahr 2008).  Diese gesteigerte Effizienz ist zum Teil das Resultat des Outsourcing der Produktion in andere Länder - in denen Kohle, Öl oder Erdgas verbraucht wird, um Waren für uns herzustellen (wenn wir unsere eigenen Joggingsschuhe und Flachbildfernseher herstellen würden, müssten wir diese Energie im Inland verbrauchen). Wirtschaftswissenschaftler weisen auch auf eine andere, ähnliche Form der Effizienz hin, die weniger mit Energie zu tun hat (jedenfalls in direkter Sichtweise): die Prozesse, mit denen sie billigsten Materialquellen ermittelt werden und wo die Arbeiter am produktivsten und für das wenigste Geld arbeiten. Während wir die Effizienz steigern, verbrauchen wir weniger – Energie, Ressourcen, Arbeit oder Geld, um mehr zu tun. Dies ermöglicht weiteres Wachstum.
 
Ersatz für schwindende Ressourcen zu finden und die Effizienz zu steigern sind zweifellos effektive Anpassungsstrategien der Marktwirtschaft. Trotzdem bleibt die Frage, wie lange diese Strategien in der realen Welt noch funktionieren können — dies ist weniger von Wirtschaftstheorien abhängig als von den Gesetzen der Physik. In der realen Welt gibt es für manche Dinge keinen Ersatz oder die Ersatzmittel sind zu teuer oder sie funktionieren nicht so gut oder sie können nicht schnell genug hergestellt werden. Und die Effizienz folgt dem Gesetz des abnehmenden Nutzens: Die ersten Gewinne durch Effizienz sind normalerweise preiswert, aber jeder weitere Effizienzgewinn kostet immer mehr, bis schließlich weitere Effizienzgewinne untragbar teuer werden.
 
Zu Ende gedacht, können wir nicht mehr als 100 % unserer Produktion in andere Länder auslagern. Wir können Güter nicht mit null Energie transportieren, und wir können nicht die Dienste von Arbeitern nutzen und darauf zählen, dass sie unsere Produkte kaufen, wenn wir ihnen nichts bezahlen.
 
Im Gegensatz zu den meisten Wirtschaftswissenschaftlern erkennen die meisten Physiker, dass Wachstum innerhalb eines funktionierenden, begrenzten Systems irgendwann zu Ende gehen muss.
 
Die einfache Mathematik des exponentiellen Wachstums
Im Grunde genommen ist das Argument für ein unausweichliches Ende des Wachstums nicht abzustreiten. Wenn eine beliebige Menge in jedem Jahr um einen festen Prozentsatz wächst, verdoppelt sich diese Menge nach einer bestimmten Anzahl von Jahren. Je höher der Prozentsatz, desto schneller geschieht die Verdoppelung. Eine grobe Methode zur Berechnung der Verdoppelungszeit ist die Regel 70: Wenn man 70 durch den Prozentsatz teilt, erhält man ungefähr die Anzahl der Jahre für die Verdoppelung der Ursprungsmenge. Wenn eine Menge beispielsweise um ein Prozent pro Jahr wächst, verdoppelt sie sich in 70 Jahren. Wächst sie mit 2 % pro Jahr, verdoppelt sie sich in 35 Jahren. Wächst sie mit 5 % pro Jahr, verdoppelt sich die Menge in 14 Jahren usw. Um es genauer zu berechnen, können Sie die Taste Y^x auf einem wissenschaftlichen Taschenrechner verwenden. Die Regel 70 reicht jedoch meistens aus.
 
Sehen wir uns ein Beispiel aus der realen Welt an: Während der letzten beiden Jahrhunderte ist die Menschheit mit Wachstumsraten von weniger als einem Prozent bis über 2 % pro Jahr gewachsen. Im Jahr 1800 gab es ungefähr 1 Milliarde Menschen. Bis 1930 hatte sich die Menschheit auf 2 Milliarden verdoppelt. Nur 30 Jahre später hatte sie sich bereits wieder verdoppelt, nun auf 4 Milliarden. Zurzeit sind wir auf dem Weg zu einer dritten Verdoppelung auf 8 Milliarden Menschen ungefähr im Jahr 2025. Niemand geht ernsthaft davon aus, dass das Wachstum der Menschheit jahrhundertelang so weitergehen wird. Wenn wir uns aber vorstellen, die Menschheit würde mit 1,3 % pro Jahr (das war die Wachstumsrate des Jahres 2000) weiter wachsen, gäbe es im Jahr 2780 ungefähr 148 Billiarden Menschen auf der Erde - das wäre eine Person auf jedem Quadratmeter Land der gesamten Erde.
 
So wird es natürlich nicht kommen.
 
In der Natur prallt jedes Wachstum früher oder später auf eine nicht überwindbare Grenze. Wenn eine Lebensform auf ein vergrößertes Nahrungsangebot trifft, nutzt sie das zusätzliche Kalorienangebot und ihre Zahl wächst. Die Nahrungsquelle erschöpft sich dann jedoch, da mehr hungrige Münder zu versorgen sind, und die Anzahl ihrer Jäger wird wahrscheinlich auch ansteigen (mehr gut schmeckende Mahlzeiten für sie!). Blütezeiten einer Bevölkerung (oder Perioden schnellen Wachstums) werden immer von Zusammenbrüchen und Aussterben gefolgt. Ausnahmslos.
 
Betrachten wir ein weiteres Beispiel aus der realen Welt. In den letzten Jahren ist Chinas Wirtschaft um 8 % oder mehr pro Jahr gewachsen. Dies bedeutet eine Verdoppelung alle 10 Jahre. Und tatsächlich verbraucht China heute zweimal soviel Kohle wie vor einem Jahrzehnt - das gleiche gilt für Eisenerz und Öl. Das Land verfügt nun über viermal so viele Straßen wie vorher und über fast fünfmal so viele Autos. Wie lange kann das so weitergehen? Wie viele Verdoppelungen können stattfinden, bevor China seine wichtigsten Ressourcen verbraucht hat - oder einfach die Entscheidung trifft, dass genug genug ist und das Wachstum stoppt? Es ist schwierig, diese Frage mit einem genauen Datum zu beantworten, aber sie muss gestellt werden.
 
Diese Diskussion hat sehr reale Folgen, da es sich bei der Wirtschaft nicht nur um ein abstraktes Konzept handelt. Die Wirtschaft bestimmt, ob wir im Luxus oder in Armut leben, ob wir zu essen haben oder ob wir hungern. Wenn das Wirtschaftswachstum zu Ende geht, werden alle betroffen sein, und die Gesellschaft wird Jahre benötigen, sich an diese neue Situation anzupassen. Es ist daher wichtig zu wissen, ob dieser Zeitpunkt in Kürze bevorsteht oder in ferner Zukunft liegt.
 
Das Ende des Wachstums sollte keine Überraschung sein
Die Vorstellung, dass das Wachstum irgendwann in diesem Jahrhundert zu Ende geht, ist keineswegs neu. 1972 erschien ein Buch mit dem Titel Grenzen des Wachstums, und es wurde das meistverkaufte Buch aller Zeiten im Umweltbereich.
 
Dieses Buch, das auf den ersten Versuchen beruht, mithilfe von Computern die Interaktionen zwischen Trends bei Ressourcen, Verbrauch und Bevölkerung zu modellieren, war auch die erste größere wissenschaftliche Studie, welche die Annahme infrage stellte, dass Wirtschaftswachstum mehr oder weniger unterbrechungsfrei in der absehbaren Zukunft fortgesetzt werden kann.
 
Diese Überlegungen waren zu jener Zeit ketzerisch und sind es immer noch. Die Ansicht, dass Wachstum ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr weitergehen kann und nicht mehr weitergehen wird, wirkt in einigen Gruppen sehr verstörend, und Die Grenzen des Wachstums wurde bald darauf von wachstumsinteressierten Kreisen widerlegt. In Wirklichkeit bestand dieses Widerlegen lediglich daraus, ein paar Zahlen aus dem Buch vollständig aus dem Zusammenhang zu reißen und sie als Vorhersagen zu bezeichnen (was sie ausdrücklich nicht waren), und dann zu behaupten, diese Vorhersagen seien falsch gewesen. Der Trick wurde schnell entlarvt, aber Widerlegungen bekommen meistens nicht soviel Aufmerksamkeit wie Anschuldigungen, so dass heutzutage Millionen von Leuten fälschlicherweise glauben das Buch sei vor langer Zeit diskreditiert worden. In Wirklichkeit haben sich die ursprünglichen Szenarien aus Die Grenzen des Wachstums als ziemlich zutreffend erwiesen. (Eine kürzliche Studie der Australian Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization (CSIRO) kam zu dem Schluss: “Unsere Analysen haben ergeben, dass 30 Jahre historischer Daten ziemlich gut mit den Hauptaussagen des Weiter-So-Szenarios [aus Die Grenzen des Wachstums] übereinstimmen ...“).
 
Die Autoren hatten damals ihre Computer mit Daten über das Wachstum der Weltbevölkerung, Konsumstrends und die Reserven verschiedener wichtiger Ressourcen gefüttert und ihre Computer dann rechnen lassen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Ende des Wachstums wahrscheinlich zwischen 2010 und 2050 eintreten würde. Anschließend würden die industrielle Produktion sowie die Nahrungsproduktion zurückgehen, was wiederum zu einem Rückgang der Bevölkerung führen würde.
 
Das Szenario dieser Studie wurde seit der ursprünglichen Veröffentlichung mehrfach neu durchgerechnet, wobei höher entwickelte Software und aktuellere Eingabedaten verwendet wurden. Die Ergebnisse waren jedes Mal ähnlich. (Siehe die Grenzen des Wachstums: Das 30-Jahre-Update)
 
Das Peakoil-Szenario
Wie bereits erwähnt, wird in diesem Buch dargelegt, dass das Wachstum vorbei ist, weil drei Faktoren zusammenkommen: Ressourcenerschöpfung, Umweltauswirkungen und ein systemisches Versagen des Finanz- und Geldsektors. Es gibt hier jedoch einen einzelnen Faktor, der eine Schlüsselrolle dabei spielen könnte, das Zeitalter des Wachstums zu beenden. Dieser Faktor heißt Öl.
 
Petroleum ist der Dreh und Angelpunkt der modernen Welt - bei Transport, Landwirtschaft, Chemie und Produktion. Die industrielle Revolution war in Wirklichkeit die Revolution der fossilen Energieträger, und das gesamte Phänomen des ständigen Wirtschaftswachstums - einschließlich der Entwicklung der Finanzinstitutionen zur Erleichterung des Wachstums wie etwa dem Mindestreserve-Bankwesen - basiert letztendlich auf der ständig zunehmenden Versorgung mit preiswerter Energie. Wachstum benötigt mehr Produktion, mehr Handel und mehr Transport. All diese benötigen wiederum mehr Energie. Dies bedeutet, wenn die Energieversorgung nicht gesteigert werden kann und Energie daher beträchtlich teurer wird, geht das Wirtschaftswachstum zu Ende und die Finanzsysteme, die auf der Erwartung endlosen Wachstums beruhen, versagen.
 
Bereits 1998 haben die Ölgeologen Colin Campbell und Jean Laherrère ein Szenario über die Auswirkungen von Peakoil diskutiert, das folgendermaßen aussah:
Um das Jahr 2010 wird eine gleich bleibende oder zurückgehende Ölversorgung zu stark steigenden und schwankenden Ölpreisen führen, wodurch eine globale Wirtschaftskrise verursacht wird. Diese schnelle wirtschaftliche Kontraktion wird wiederum zu einem scharfen Rückgang der Energienachfrage führen, so dass die Ölpreise dann fallen. Sobald die Wirtschaft sich jedoch wieder erholt, erhöht sich auch die Nachfrage nach Öl, die Preise steigen wieder stark und als Ergebnis gibt es einen erneuten Einbruch der Weltwirtschaft. Dieser Kreislauf wird sich wiederholen, wobei jede Erholungsphase kürzer und schwächer, jeder Wirtschaftsrückgang jedoch tiefer und härter ist, bis die Wirtschaft ruiniert ist. Finanzsysteme, die auf der Annahme ständigen Wachstums beruhen, werden implodieren und damit ein größeres soziales Chaos schaffen als die Steigerung des Ölpreises selbst.
 
Gleichzeitig werden die stark schwankenden Ölpreise Investoren in Energiealternativen frustrieren: In einem Jahr wird der Ölpreis so hoch sein, dass fast jeder andere Energiequelle im Vergleich preiswert erscheint, im nächsten Jahr wird der Ölpreis soweit gefallen sein, dass alle Energieverbraucher zum Öl strömen werden und die Investoren in alternative Energien wie Narren aussehen. Jedoch verhindern niedrige Ölpreise die Suche nach weiteren Ölvorkommen, was die zukünftige Ölknappheit noch verschärft. Investitionskapital wird auf jeden Fall knapp sein, da die Banken wegen des Zusammenbruchs zahlungsunfähig und die Staaten aufgrund zurückgehender Steuereinnahmen pleite sind. Gleichzeitig führt die internationale Konkurrenz um die schwindenden Ölvorräte möglicherweise zu Kriegen zwischen Öl importierenden Ländern, zwischen Importeuren und Exporteuren und zwischen rivalisierenden Exporteuren.
 
In den Jahren nach der ersten Veröffentlichung von Campbell and Laherrère erklärten viele Experten, dass neue Technologien zur Förderung von Erdöl die Menge des Öls erhöhen würde, die aus jeder Bohrung gefördert werden kann, und dass die gewaltigen Reserven alternativer Kohlenwasserstoffressourcen (hauptsächlich Teersand und Ölschiefer) gefördert würden, so dass konventionelles Öl nahtlos ersetzt werden kann, und der unvermeidliche Peak damit um Jahrzehnte hinausgezögert werden kann. Andere waren der Meinung, dass Peak Oil auch in naher Zukunft kein großes Problem sein würde, da der Markt andere Energiequellen oder Transportmöglichkeiten so schnell finden würde, wie es nötig ist - seien es elektrische Autos, Wasserstoff oder Flüssigtreibstoff aus Kohle.
 
In den Folgejahren gab es Ereignisse, die die Peak Oil-These zu bestätigen und die Ansichten der Öloptimisten zu widerlegen schienen. Der Ölpreistrend zeigte stark nach oben und die Gründe waren vollständig vorhersehbar: die Entdeckung neuer Ölfelder ging ständig zurück, wobei die Entwicklung der neuen Felder viel teurer und schwieriger war als in den zurückliegenden Jahren. In immer mehr Ländern erreichten die Fördermengen ihren Höhepunkt und begannen zurückzugehen, obwohl Hochtechnologie mit teuren Sekundär- und Tertiär-Extraktionsmethoden eingesetzt wurde, um die Steigerung der Fördermengen aufrechtzuerhalten. Zu diesem Technologien gehörten die Injektion von Wasser, Stickstoff oder Kohlendioxid, um mehr Öl aus dem Boden zu pressen. Der Rückgang der Fördermengen der alten Ölfelder, der so genannten Supergiganten, die den Löwenanteil der weltweiten Ölversorgung liefern, verschärfte sich. Die Produktion von Flüssigtreibstoffen aus Teersand konnte nur langsam ausgebaut werden, während die Entwicklung von Ölschiefer für die absehbare Zukunft eine leere Versprechung blieb.
 
Von beängstigender Theorie zu Schrecken erregender Realität
2008 wurde dasPeak Oil-Szenario dann allzu real. Die weltweite Ölförderung war seit 2005 nicht mehr gestiegen und die Ölpreise schossen in die Höhe. Im Juli 2008 erreichte der Preis für ein Barrel Rohöl fast 150 $. In inflationsangepassten Zahlen lag dieser Preis um die Hälfte höher als die Preisspitzen der Siebziger Jahre, von denen die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst wurde. Im Sommer 2008 waren die Autoindustrie, die Lastwagenindustrie, internationale Speditionen, Landwirtschaft und Fluggesellschaften am Taumeln.
 
Was dann aber geschah, nahm die Aufmerksamkeit der Welt so stark in Anspruch dass der Ölpreisanstieg praktisch vergessen wurde: Im September 2008 brach das weltweite Finanzsystem fasst zusammen. Die Gründe für diese plötzliche, fesselnde Krise waren allem Anschein nach die Blasen am Immobilienmarkt, die mangelnde Regulierung der Bankbranche und der verbreitete Einsatz bizarrer Finanzprodukte, die fast niemand verstand. Der starke Anstieg der Ölpreise hatte jedoch eine entscheidende (wenn auch größtenteils übersehene) Rolle beim Auslösen der wirtschaftlichen Kernschmelze gespielt (siehe Temporäre Rezession oder das Ende des Wachstums?)
 
Direkt nach dem Nahtod-Erlebnis der Finanzkrise schienen sowohl das Szenario der Peak Oil-Auswirkungen, die 10 Jahre vorher beschrieben wurden, als auch das Szenario aus Grenzen des Wachstums von 1972 mit verblüffender und erschreckender Präzision bestätigt zu werden. Der globale Handel ging zurück. Die größten Automobilunternehmen der Welt hingen am Tropf. Die Luftfahrt in den USA schrumpfte um fast ein Viertel. In den armen Ländern der Welt kam es zu Nahrungsaufständen. Die aufflackernden Kriege im Irak (das Land mit den zweitgrößten Rohölvorräten der Welt) und in Afghanistan (dem Land mit den umkämpften Öl- und Gaspipeline-Projekten) zehrten ständig an den Finanzen der größten Öl importierenden Nation der Welt.
 
Die Debatte um die Maßnahmen gegen die globale Klimaänderung zeigt beispielhaft, wie politische Unbeweglichkeit seit den frühen Siebziger Jahren die Welt auf dem Weg ins Desaster hielt. Es wurde nun auch für fast jede Person mit mäßiger Ausbildung und geringem Intellekt offensichtlich, dass die Welt zwei dringende, unumstößliche Gründe hat, ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern schnellstens zu beenden: die Bedrohung durch die Klimakatastrophe und die bevorstehende Verknappung der Treibstoffe. Trotzdem wurden auf der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 die Prioritäten der meisten ölabhängigen Länder klar gesetzt: die Kohlenstoffdioxidemissionen sollten gesenkt werden und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern sollte reduziert werden, aber nur wenn dadurch das Wirtschaftswachstum nicht bedroht wird.
 
Die finanzielle Komponente der Wirtschaftsschrumpfung
Wenn die Grenzen der Ressourcen und die Umweltbeeinträchtigungen dem Wachstum ein Ende bereiten sollten, würden die fühlbaren Schmerzen der gewöhnlichen Bürger aus einer ganz anderen Richtung kommen: dem Verlust der Arbeitsplätze und dem Zusammenbruch der Immobilienpreise.
 
In den Kapiteln eins und zwei werden wir sehen, dass die Erwartung eines ständigen Wachstums in den zurückliegenden Jahrzehnten zu gewaltigen Schuldenbergen bei Bürgern und Staaten geführt hat. Die Amerikaner wurden nicht mehr reich durch die Erfindung neuer Technologien und durch die Herstellung von Gütern, sondern einfach durch das Kaufen und Verkaufen von Häusern oder durch das Verschieben von Geld von einem Investment zu einem anderen oder durch das Berechnen von Transaktionsgebühren, wenn andere Geld verschoben.
 
Zu Beginn des neuen Jahrhunderts taumelte die Weltwirtschaft von einer Blase zur nächsten: Asienblase, Dotcom-Blase, Immobilienblase. Alle wussten, dass diese Blasen wie jede andere Blase platzen würden, aber smarte Investoren strebten danach, früh einzusteigen und mit großem Gewinn schnell wieder auszusteigen, um Verluste zu vermeiden.
 
In den Jahren des Wahns von 2002 - 2006 begannen Millionen von Amerikanern, sich auf stark steigende Immobilienpreise als Einkommensquelle zu verlassen. Sie betrachteten ihre Häuser als Geldautomaten. Solange die Preise stiegen, sahen es die Besitzer als gerechtfertigt an, Kredite für eine neue Küche oder ein neues Badezimmer aufzunehmen, und die Banken fühlten sich prächtig bei der Vergabe neuer Darlehen. Zur gleichen Zeit erfanden die Zauberer an der Wall Street neue Wege, um riskante Hypotheken zu zerteilen und zu geschmackvollen neuen Finanzinstrumenten zusammenzusetzen, die zu Premiumpreisen an Investoren verkauft werden konnten - mit geringem oder ganz ohne Risiko! Schließlich war es die Bestimmung der Immobilienpreise, immer weiter zu steigen. Das Motto lautete: Gott macht keine neuen Grundstücke mehr.
 
Kredite und Schulden expandierten durch die Euphorie des leichten Geldes. Dieser blauäugige Optimismus führte zu neuen Arbeitsplätzen in der Bauwirtschaft und im Immobiliensektor, wodurch die Arbeitsplatzverluste in der Produktion überdeckt wurden.
 
Einige grantige Finanzexperten benutzten Wörter wie Kartenhaus, Zunder und Dynamitstange, um die Lage zu beschreiben. Um eine Katastrophe auszulösen, war nur noch ein metaphorischer Windhauch oder ein Funke erforderlich. Offensichtlich war der starke Anstieg des Ölpreises Mitte 2008 mehr als ausreichend dafür.
Aber die Immobilienblase selbst war lediglich eine größere Sicherung, die durchbrannte: In Wirklichkeit hatte sich das gesamte Wirtschaftssystem dummerweise so entwickelt, dass es von den unmöglich zu realisierenden Erwartungen eines ewigen Wachstums abhing und jederzeit in die Luft fliegen konnte. Geld war von Kredit abhängig, und Kredit hing von den Wachstumserwartungen ab. Als das Wachstum 2008 zum Stillstand kam, begann die Kettenreaktion von Pleiten und Bankrotten. Es war eine Explosion in Zeitlupe.
 
Seitdem haben sich die Bemühungen der Regierungen darauf gerichtet, das Wachstum wieder in Gang zu bringen. Diese Bemühungen hatten jedoch Ende 2009 und Anfang 2010 nur geringe Erfolge. Sie verdeckten gerade eben den zu Grunde liegenden Widerspruch im Zentrum unseres gesamten Wirtschaftssystems: der Annahme, dass wir ein nicht endendes Wachstum in einer endlichen Welt haben können.
 
Was kommt nach dem Wachstum?
Die Erkenntnis, dass wir den Punkt erreicht haben, an dem das Wachstum nicht weitergehen kann, ist zweifellos deprimierend. Wenn wir diese psychologische Hürde jedoch überwunden haben, gibt es ein paar mäßig gute Nachrichten.
 
Nicht alle Wirtschaftswissenschaftler sind davon überzeugt, dass das Wachstum ewig weitergehen wird. Es gibt ökonomische Denkrichtungen, welche die natürlichen Grenzen anerkennen, und während diese Lehren in politischen Kreisen eher Randerscheinungen sind, haben sie potentiell nützliche Pläne entwickelt, die der Gesellschaft bei der Anpassung helfen könnten.
 
Die grundlegenden Faktoren, die unvermeidlich dasNeue formen werden, was die Wachstumswirtschaft ablösen wird, sind erkennbar. Um zu überleben und für lange Zeit zu gedeihen, müssen Gesellschaften die nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde berücksichtigen. Das heißt, auch wenn wir nicht detailliert wissen, wie ein wünschenswertes Wirtschaftssystem und unser Lebensstil nach dem Wachstum aussehen wird, wissen wir genug, um mit den Vorbereitungen zu beginnen.
 
Wir müssen uns selbst davon überzeugen, dass das Leben in einer nicht wachsenden Wirtschaft erfüllend, interessant und sicher sein kann. Die Abwesenheit von Wachstum bedeutet nicht notwendigerweise ein Fehlen von Änderungen oder Verbesserungen. Auch mit einer nicht wachsenden Wirtschaft oder einer Wirtschaft im Gleichgewicht ist eine anhaltende Entwicklung praktischer Fähigkeiten, künstlerischen Ausdrucks und bestimmter Arten von Technologie möglich. Manche Historiker und Sozialwissenschaftler sind sogar der Ansicht, dass das Leben in einer Gleichgewichtswirtschaft dem Leben in einer schnell wachsenden Wirtschaft überlegen sein kann: Während ein Wachstum Chancen für manche bietet, verschärft es normalerweise auch die Konkurrenz. Es gibt große Gewinner und große Verlierer, und wie in den meisten Boom-Gebieten leidet die Qualität der Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft. Innerhalb einer nicht wachsenden Wirtschaft ist es möglich, den Nutzen zu maximieren und die Faktoren einzuschränken, die zum Verfall führen. Um dies jedoch zu erreichen, müssen geeignete Ziele verfolgt werden: Statt nach mehr zu streben, müssen wir nach Besserem streben. Statt erhöhte wirtschaftliche Aktivität als Selbstzweck zu fördern, müssen wir uns darauf konzentrieren, was die Lebensqualität erhöht, ohne den Konsum abzuwürgen. Eine Möglichkeit dazu ist die Neuerfindung und Neudefinition des Wachstums selbst.
 
Der Übergang zu einer nicht wachsenden Wirtschaft (oder einer Wirtschaft, in der Wachstum vollkommen anders definiert wird) ist unausweichlich. Der Übergang wird aber wesentlich besser ablaufen, wenn wir ihn planen statt einfach vor Schreck erstarrt zu betrachten, wie die Institutionen, von denen wir abhängig sind, zerfallen, und dann zu versuchen, nach dem Zerfall dieser Institutionen eine Überlebensstrategie zu improvisieren.
 

Was wir entwickeln müssen, ist praktisch eine wünschenswerte „Neue Normalität“, die zu den Einschränkungen passt, die uns durch abnehmende natürliche Ressourcen auferlegt werden. Das Beibehalten der “alten Normalität”steht nicht zur Auswahl. Wenn wir keine neuen Ziele für uns selbst finden und unseren Übergang von einer Wirtschaft auf Wachstumsbasis zu einer gesunden Gleichgewichtswirtschaft planen, enden wir mit einer viel weniger wünschenswerten “neuen Normalität”, deren Anfänge wir bereits in der Form von anhaltender hoher Arbeitslosigkeit, einer zunehmenden Kluft zwischen Reich und Arm und immer häufigeren und heftigeren Finanz- und Umweltkrisen erkennen - was alles zu starkem Stress für Einzelpersonen, Familien und Gesellschaften führt. 

Weitere Auszüge von „Das Ende des Wachstums“ (English).

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