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Peak Oil – Sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen




Einleitung

Im vorliegenden ersten Teil der Studie „Streitkräfte, Fähigkeiten und Technologien im 21. Jahrhundert – Umweltdimensionen von Sicherheit“ befasst sich das Dezernat Zukunftsanalyse der Bundeswehr mit der Thematik endlicher Ressourcen und ihren möglichen sicherheitspolitischen Implikationen am Beispiel des Überschreitens des globalen Erdölfördermaximums. Der zweite Teil der Studie befasst sich mit den Themen Klimawandel und Demografie.

Der Begriff Peak Oil steht für das Ölfördermaximum und beschreibt den Zeitpunkt, ab dem die Förderquote eines einzelnen Ölfeldes, einer Förderregion oder der gesamten Erde ihren absoluten Höchstwert erreicht. Geologisch betrachtet wird zu diesem Zeitpunkt etwa noch die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Ressourcenmenge an Erdöl vorhanden und unterirdisch gebunden sein.1 Verschiedene Maßnahmen wie beispielsweise Investitionen in Fördertechnologien zur Erschließung weiterer Ressourcen, Einsparungen im Erdölverbrauch oder das Aufweichen bestehender Umweltschutzbestimmungen könnten das Förderniveau zwar für einen gewissen Zeitraum aufrechterhalten. Gleichwohl wird dieses ab dem Peak Oil langfristig und irreversibel sinken. Erdöl wird also generell zwar auch jenseits des in dieser Studie gewählten Zeithorizontes von 30 Jahren verfügbar und förderbar bleiben, jedoch möglicherweise in zu geringen Mengen, um den globalen Bedarf vollständig decken zu können und zu deutlich höheren Preisen.2

Schon in der Vergangenheit wurden zahlreiche Konflikte ausgetragen, die mit Rohstoffvorkommen unterschiedlicher Art in Verbindung standen. Die einschlägige Literatur hierzu ist umfangreich und die Thematik findet ein breites Interesse innerhalb der sicherheitspolitischen Community.3 Solche Ressourcenkonflikte waren jedoch bisher in den meisten Fällen regional begrenzt und nur eingeschränkt von internationaler sicherheitspolitischer Relevanz. 4 Im Falle des Rohstoffs Erdöl könnte sich dies angesichts des globalen Peak Oil in Zukunft ändern: Erstens könnte ein globaler Mangel an Erdöl ein systemisches Risiko darstellen, da durch dessen vielseitige Verwendbarkeit als Energieträger und als chemischer Grundstoff so gut wie jedes gesellschaftliche Subsystem von einer Knappheit betroffen wäre.5 Eine größere sicherheitspolitische Relevanz und ein zunehmendes internationales Interesse könnten sich zweitens aus der vornehmlich geografischen Konzentration der Erdöllagerstätten und der Transportinfrastrukturen in der sogenannten Strategischen Ellipse (siehe Abbildung 1) ergeben, die auch geopolitische Machtverschiebungen zur Folge haben könnte.

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Abbildung 1: Die Strategische Ellipse6
Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Wann genau der gl0bale Peak Oil erreicht wird, ist umstritten und lässt sich erst rückwirkend sicher feststellen.7 Die verfügbaren Daten zu den globalen Ölreserven variieren stark und lassen Außenstehenden kaum Möglichkeiten einer unabhängigen Beurteilung.8 Die Qualität von Aussagen über die Förderung von Erdöl und entsprechender Ableitungen für das Eintreten des globalen Peak Oil hängt von mehreren Faktoren ab: So kann beispielsweise die von der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) offiziell angegebene Höhe der Reserven aufgrund intransparenter Datenerhebung und zum Teil politisch motivierter Angaben angezweifelt werden. Je höher ein OPEC-Mitglied die nationalen Reserven angibt, desto höher werden auch die von der OPEC zugeteilte Förderquote und damit der Exportgewinn. Bei der Reservenbewertung spielt außerdem eine Rolle, nach welchen Schätzverfahren sie berechnet worden sind. Prognosen der Förderentwicklung von Erdölfeldern auf Basis ursprünglich ausgewiesener Reserven wurden in der Vergangenheit oftmals zu niedrig angesetzt und mussten nach oben korrigiert werden. Weitere Aspekte wie beispielsweise verbesserte Fördertechnologien können sich außerdem positiv auf den Faktor „Reserve-Growth“ auswirken.9

Sicher ist allerdings, dass Erdöl endlich ist und ein Fördermaximum existiert. Da im Mittelpunkt dieser Studie das Begreifen von Wirkzusammenhängen nach einem derartigen Fördermaximum steht, ist eine Festlegung auf einen präzisen Zeitpunkt nicht notwendig. Manche Institutionen verorten den Peak Oil bereits um das Jahr 2010.10 Im Betrachtungszeitraum der für die SFT-Serie gewählten Untersuchungsperspektive von 30 Jahren, können je nach Entwicklung der dargestellten, global relevanten Faktoren möglicherweise gravierende sicherheitspolitische Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden.11 Die Dimension der möglichen Auswirkungen in Verbindung mit der angesprochenen diffusen Datenlage zur künftigen Verfügbarkeit von Erdöl begründet daher die Notwendigkeit, die potenziellen sicherheitspolitischen Implikationen für Deutschland näher zu untersuchen.

Abgesehen von den genannten Unsicherheitsfaktoren bezüglich des genauen Eintrittszeitpunktes ist bei Erreichen des globalen Peak Oil vorauszusehen, dass der weltweite Bedarf an Erdöl – sofern eine Transformation hin zu post-fossilen Gesellschaften unzureichend oder zu spät erfolgt – ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr gedeckt werden kann. Vor diesem Hintergrund ist es angesichts der langen Zeiträume12, die Anpassungen im Energiesektor bis hin zu einer umfassenden Energiewende in Anspruch nehmen, bereits heute notwendig, (1) das Ausmaß der Abhängigkeit von Erdöl umfassend zu analysieren, (2) auf dieser Grundlage mögliche Risiken rechtzeitig zu erkennen und (3) Alternativen für die Nutzung von Erdöl zu diskutieren.

Die vorliegende Studie soll dazu beitragen, für die möglichen sicherheitspolitischen Konsequenzen, Risiken und Kaskadeneffekte zu sensibilisieren, die durch ein Überschreiten des globalen Erdöl-Fördermaximums entstehen können.

Die beschriebenen Wirkzusammenhänge sind dabei ausdrücklich nicht im Sinne einer Zwangsläufigkeit zu verstehen. Sie sollen vielmehr helfen, die möglichen Interdependenzen der Verfügbarkeit und der Abhängigkeit von Erdöl aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erfassen und somit zu einem besseren Verständnis der systemischen Bedeutung von Erdöl und daraus ableitbarer möglicher sicherheitspolitischer Implikationen für Deutschland beitragen.

For the rest of the 125-page report, go HERE. From that page, you can download the PDF.

Editorial Notes: Submitted by EB correspondent Rick Munroe who writes:
The approved version of the Peak Oil study (the draft version of which was leaked last summer) has been released. Although I haven't gone through this version yet, I note that Section 3.2 on Tipping Points has survived. Its key points appear unchanged, although there are changes to the supplementary material. The report is now 125 pages, but that seems to be due to larger font size, not further elaboration.
Rick reviewed the document for Energy Bulletin last September, concluding:
While some analysts view the German study as significant, others have argued that it is mostly a summary of existing information and provides few new insights. This review examines the Bundeswehr report in the context of other publicly-available military analyses of peak oil and concludes that the new German report is highly significant for several reasons.
For more on the report (in English): see the EB archives. [It is worth noting here that the German government rejected the finding that peak oil most likely happened in 2010 noting that crude output “can be increased through 2035 under today’s conditions, assuming an optimal development and exploitation of reserves”. The government's outlook is based on IEA estimates. See Bloomberg article German Government Rejects Report ‘Peak Oil’ Occurred in 2010.-SO] I note that the same group is now working on a report on the implications of climate change for security.
An der zweiten Teilstudie wird aktuell gearbeitet. Die Themen „Klimawandel“ und „Demographie“ sind durch ein komplexes Geflecht von Interdependenzen und Schnittstellen miteinander verbunden. Oft sind nicht die unmittelbaren Folgen von Ereignissen (beispielsweise Dürre infolge von Hitzewellen), sondern sekundäre und tertiäre Auswirkunken (Ernährungskrisen, Verteilungskonflikte, Migration, soziökologische Krisen) von besonderer Bedeutung für Gesellschaften und Staaten. Damit entsteht sicherheitspolitische Relevanz vor allem dort, wo Erdsystementwicklungen und soziale Dynamiken zusammenwirken. Die gebotene Eingrenzung der Thematik wird neben einem regionalen (MENA-Raum) auch auf einen Akteursfokus (Problemlösungskapazitäten Deutschlands und der Europäischen Union) liegen. Realisiert wird eine Szenariostudie, die auf vorliegenden Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Region aufsetzt und dem Phänomen der „systemischen Tipping-Points“ besondere Beachtung schenkt.
-BA

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